Offener Brief – Perspektiven für Kinos und andere Kulturorte angesichts der aktuellen Pandemieentwicklung

Berlin, 05. August 2021.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
liebe Frau Staatsministerin,
sehr geehrte Ministerpräsident*innen,

wir begrüßen, dass Sie Ihre Bund-Länder-Konferenz auf den 10. August vorgezogen haben, um auf die steigenden Inzidenzzahlen zu reagieren und zeitnah zu entscheiden, welche Maßnahmen und Regelungen zur weiteren Eindämmung der Pandemie in den nächsten Monaten gelten sollen.
Leider sind die Auflagen der Bundesländer in keiner Weise an die neue Situation angepasst. Es herrscht bei unseren Besucher*innen und den Kinobetreiber*innen weiterhin eine große Verunsicherung. Nur eins scheint allen klar: Das Corona-Virus gehört mittlerweile zu unserem Alltag und wir müssen in Anbetracht der fortschreitenden Impfkampagne neue Regeln zum Umgang mit dem Virus finden. Die zurzeit existierenden Verordnungen spiegeln diese neue Zeit noch nicht wider.

Für die Kulturbranche ist dies unverständlich. Wir kämpfen erneut mit Planlosigkeit, Unsicherheit und Intransparenz und vor allem weiteren unausweichlichen wirtschaftlich negativen Folgen. Wir haben bei unserer Eröffnung am 1. Juli alles für die Sicherheit unserer Gäste und Mitarbeiter*innen getan.

So haben wir
• die geltenden Hygienekonzepte überall flächendeckend umgesetzt.
• Kontaktdaten sitzplatzgenau erfasst.
• unsere Verantwortung gegenüber unseren Gästen und Mitarbeiter*innen vollumfänglich erfüllt, was zu einer durchschnittlichen Höchstkapazität von 30 Prozent führt.

Erwiesenermaßen sind es nicht die Kinos, die für vermehrte Neuinfektionen und die steigenden Inzidenzen verantwortlich sind.

Um wirtschaftlich endlich wieder auf eigenen Füßen stehen zu können, fordern wir Sie auf, in Ihrer Sitzung folgende Punkte aufzunehmen:

• Die vom Bund angekündigten Erweiterungen der Parameter (Inzidenzwerte, Intensivbettenbelegung etc.) müssen auch in den Landesverordnungen umgesetzt werden.
• Auf Grund der steigenden Zahl von Geimpften müssen die Richtwerte von Inzidenzzahlen der neuen Situation endlich angepasst werden. Wir können in den nächsten Monaten bei einem Inzidenzwert von über 35 nicht erneut oder weiterhin massiv auf Kapazitäten unter 50% begrenzt werden.
• Wir benötigen bundesweit einheitliche Verordnungen ohne eine 3 G-Regel, da sie eine gravierende Hemmschwelle für den Kinobesuch darstellt! Bundesländer mit einer 3G-Regel verzeichnen im Vergleich ein Besucherminus bis zu 50%.
Keine Schließung der Kultur! Keinesfalls dürfen Kulturorte, wie z.B. die Kinos, bei steigenden Inzidenzzahlen pauschal wieder geschlossen werden, obwohl sie bisher während der gesamten Pandemie nachweislich keine Verbreitungsorte waren.

Wir bitten Sie daher dringend, die Lage der Kultur- und Erlebnisorte, zu denen die Kinos gehören, differenziert zu betrachten und uns nicht ein weiteres Mal wirtschaftlich noch stärker einschränkenden Maßnahmen auszusetzen, als wir sie ohnehin bereits zu verkraften haben.
Gern stehen wir Ihnen für Rückfragen sowie für einen runden Tisch, bei dem auch unsere Belange gehört und umgesetzt werden sollten, zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Björn Hoffmann – Vorsitzender AG Verleih, Verband unabhängiger Filmverleiher e.V.

Andreas Heidenreich -Vorsitzender BkF, Bundesverband kommunale Filmarbeit e.V.

Christine Berg – Vorstandsvorsitzende HDF KINO, Hauptverband deutscher Filmtheater e.V.

Christian Sommer – Präsident SPIO,  Spitzenorganisation der Filmwirtschaft

Johannes Klingsporn – Geschäftsführer VdF, Verband der Filmverleiher e.V.

Offener Brief