HDF-Aktuell

Positionspapier des HDF Kino e.V. zu den angekündigten Demonstrationen der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di im Zuge der Berlinale am 8./9.Februar 2019

Ausgangssituation
Seit Ende letzten Jahres fordert die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di einzelne Kinobetreiber zu Tarifverhandlungen auf. Im Kern beinhalten die ver.di Forderungen gegenüber den Betreibern in der Spitze Lohnerhöhungen für Servicekräfte/-manager von bis zu über 20 %. Hierbei handelt es sich fast ausschließlich um angelernte Kräfte. Um diesen Forderungen öffentlich Ausdruck zu verleihen, plant ver.di auch dieses Mal Demonstrationen zum Auftakt der Berlinale.

Die ver.di Forderung
ver.di begründet seine Forderung damit, sozial gerechte und existenzsichernde Einkommen für die Kinowirtschaft durchsetzen zu wollen. Diese Forderung geht allerdings von der Annahme aus, dass viele in der Kinobranche tätige Mitarbeiter in Vollzeit arbeiten und von dieser Tätigkeit ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Dies ist aber kaum der Fall.
Die Kinobetriebsstudie 2014  weist für die deutsche Kinowirtschaft insgesamt 25.632 Beschäftigte aus, davon ist der überwiegende Teil – zwei Drittel – nur geringfügig beschäftigt. Dies liegt daran, dass es im Kinobetrieb viele Aushilfstätigkeiten gibt, für die man keine Ausbildungsqualifikation benötigt. Entsprechend hoch ist der Anteil der (studentischen) Mitarbeiter, die diese Tätigkeit mit einer anderen Hauptbeschäftigung verbinden.
Die Zahl der Vollzeitkräfte insgesamt liegt bei 3.376 Beschäftigten, dies sind nur 13 Prozent aller Kinoangestellten überhaupt. Davon entfällt wiederum ein hoher Anteil auf Verwaltung, Betrieb, IT etc., die höheren Einkommensgruppen angehören.
Der Anteil der in Vollzeit beschäftigten Servicekräfte/-manager, auf die sich die aktuellen Forderungen von ver.di beziehen, ist äußerst gering und liegt bei einzelnen Betreibern z.B. nur im geringen einstelligen Prozentbereich.

Die aktuelle Situation der Kinos in Deutschland
a. Rückgang der Besucherzahlen
Betrachtet man die Kinobesucherzahlen (ffa.de) der letzten sechs Jahre, zeichnet sich ein eindeutiger Rückgang der Kinobesucher ab. Dies ist verschiedenen Faktoren, wie z.B. den sich ändernden Freizeit-/Filmkonsumgewohnheiten der Bevölkerung, geschuldet.
Die Besucherzahlen für 2018 sind noch vorläufig, liegen aber – bedingt durch weitere Gründe wie den Jahrhundertsommer und die WM – auf einem historischen Tiefstand. Die Einnahmesituation der Kinos hat sich extrem verschärft. Die Branche steht vor enormen wirtschaftlichen Herausforderungen.

b. Investitionsstau
Um im Wettbewerb als Kultur- und Freizeitort weiter bestehen zu können, muss sich das Kino in den nächsten Jahren neu erfinden, es muss digitaler werden und sich technologisch breiter aufstellen. Gleichzeitig muss es aber auch seine Kompetenz als soziale Begegnungs-stätte ausbauen, um sich positiv von anderen Freizeitaktivitäten abzugrenzen.
Für diese Projekte sind in den Bereichen Technik und Ausstattung große Investitionssummen erforderlich, die sich nach Rechnungen des HDF Kino e.V. in den nächsten fünf Jahren auf bis zu 560.000 €/Kino und bis zu 900 Mio. € für die Gesamtbranche belaufen. Sollten zusätzlich überproportional hohe Lohnsteigerungen hinzukommen, sind diese Investitionen trotz staatlicher Förderung nicht zu stemmen.

Fazit
ver.di begründet seine aktuellen Lohnforderungen für Servicekräfte von in der Spitze bis zu über 20 % mit dem Argument der Existenzsicherung.
Allerdings gibt es in der Kinobranche kaum Mitarbeiter, die der Servicetätigkeit als sozialversicherungspflichtige Vollzeittätigkeit nachgehen und entsprechend existenzgefährdet sind. Hinzu kommt, dass mehr als 50 % der in Vollzeit beschäftigten Servicekräfte überhaupt nur ein bis zwei Jahre in dieser Position arbeiten und diese nicht als Dauertätigkeit ausüben. Nahezu alle vollbeschäftigten Servicekollegen haben die Chance, sich aus dieser Tätigkeit heraus weiterzuentwickeln und in entsprechend andere Gehaltsgruppen zu wechseln, was die meisten auch wahrnehmen.

Die Kinobranche sieht sich in Anbetracht sinkender Besucherzahlen einem enormen wirtschaftlichen Druck ausgesetzt, der eine Weiterentwicklung des Produktes „Kino“ und damit enorme Investitionen erforderlich macht.

Schon jetzt machen die Löhne mit ca. 30 % neben den Gebäudemieten und den Film-verleihmieten den größten Kostenanteil im Kinobetrieb aus. Steigen diese Personalkosten drastisch weiter, wären die notwendige Investitionen nicht realisierbar und Kinos möglicher Weise existenziell bedroht. Gibt man die Kosten an die Gäste weiter, führt dies mit höchster Wahrscheinlichkeit zu weiteren Besucherrückgängen.

Appell an ver.di
Die Kinobranche fordert ver.di zu maßvollen und besonnenen Tarifverhandlungen auf. Es kann nicht im Interesse der Kinobeschäftigten sein, die Einnahmesituation der Kinos so zu verschärfen, dass die Zukunftsfähigkeit der Kinos gefährdet wird.
Dies wird sonst am Ende zu weniger Kinos und weniger kultureller Vielfalt in Deutschland führen.
Wir bitten ver.di außerdem darum, darauf einzuwirken, dass die Berlinale in erster Linie als international renommiertes und für Deutschland bedeutendes Filmfest in den Medien präsent ist und Deutschland als attraktiven, investitionsrelevanten Kinostandort repräsentiert.


Berlin, 06. Februar 2019

V.i.S.d.P.: Dr. Thomas Negele
Vorstandsvorsitzender HDF KINO e.V.
Poststraße 30 | 10178 Berlin |Tel. 0049-30-23004041 | E-Mail info@hdf-kino.de


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